Geschichtetes Gestein – geologische Schichten
Station 01

Begriffe und Theorien

Anthropozän

Kernidee

Das Anthropozän (von altgriechisch ánthropos „Mensch" und kainós „neu") ist ein vorgeschlagenes Erdzeitalter, in dem der Mensch zum entscheidenden geologischen Faktor geworden ist. Der Begriff verdeutlicht, dass menschliche Aktivitäten die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse der Erde mittlerweile stärker prägen als natürliche Kräfte.

Namensgeber

Der Begriff wurde im Jahr 2000 vom Nobelpreisträger Paul Crutzen populär gemacht.

Geologischer Status

Es ist (noch) keine offizielle Epoche. Ein Fachgremium lehnte die Aufnahme in die Erdzeitskala im März 2024 ab; wir leben offiziell weiterhin im Holozän.

Startpunkt

Meist wird das Jahr 1950 („Große Beschleunigung") oder der Beginn der Industriellen Revolution (um 1800) genannt.

Nachweise

Das Anthropozän wird unter anderem durch bleibende Spuren in den Erdschichten definiert, die auch in Millionen von Jahren noch nachweisbar sein werden. Dazu zählen Hinterlassenschaften wie Plastik, Radioaktivität, Beton und der massive Anstieg von CO₂, die in den Bodenschichten dauerhaft nachweisbar bleiben.

Trennung von Mensch und Natur – und ihre Infragestellung

Im alltäglichen Sprachgebrauch fällt die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur meist leicht. Der Baum im Garten, die Blumenwiese, das ist Natur. Das Fenster, welches mich davon trennt oder das Smartphone, das ich zum Bestimmen der Blumen nutze, gehört zu dem Bereich der vom Menschen hergestellten Dinge und somit zur Kultur. Diese Unterscheidung ist eine Selbstverständlichkeit, die unseren Alltag bestimmt und unser Wissen strukturiert. So stellt man den Geisteswissenschaften, die sich mit Geschichte, Kunst, Ideen und somit den Produkten des menschlichen Geistes befassen, traditionell die Naturwissenschaften gegenüber.

Dahinter steht die Annahme, dass sich Natur und Kultur in ihrem Wesen unterscheiden, zwei ontologische Kategorien, unterschiedliche Existenzweisen bezeichnen.

Die Debatte um das Anthropozän stellt diese Trennung jedoch in Frage. So schreiben Eva Horn und Hannes Bergthaller: „Wenn die Menschheit selbst zur Naturgewalt geworden ist und das Erdsystem in seiner Gesamtheit verändert, dann verliert die Scheidung von Natur und Kultur ihren Sinn". Das Ersetzen natürlicher Umwelten durch Künstliche zählte auch Anthony Giddens zu einem Charakteristikum der Moderne.

Deutlich wird dies etwa im Umweltschutz, der Natur meist nicht als Natur bewahrt, sondern vielmehr auf das Management von Prozessen hinausläuft. Hier vermischen sich Natürliches und Technisch-Kulturelles zunehmend in Form von Krötentunneln, Schadstoffgrenzwerten und Wildbrücken. Merkmal der Gegenwart ist somit nicht (nur) ein Verschwinden von Natur, sondern eine Ausbreitung des „Hybriden".

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Begriff 1 von 6

Streuobstwiese
100% Natur100% Kultur/Technik
Literatur

Horn, E. & Bergthaller, H. (2020). Anthropozän zur Einführung.