
Die unsichtbaren Gärtner
Oft erscheint uns die Künstliche Intelligenz als autonom. Ein System, das wie durch Zauberei lernt. Doch die Forscherin Kate Crawford erinnert uns daran: KI ist weder rein künstlich noch von Natur aus intelligent. Hinter jedem „smarten" Algorithmus verbirgt sich eine gigantische Anzahl von Menschen. In der Fachwelt spricht man von „Ghost Work" (Geisterarbeit).
Stellen Sie sich diesen Garten vor. Damit er so ordentlich aussieht, muss jemand das Unkraut jäten. In der Welt der KI bedeutet das: Data Labeling. Millionen von Menschen im Globalen Süden sitzen vor Bildschirmen und markieren Bilder, damit ein Auto lernt, was ein Baum ist oder was ein Mensch.
Denn KI ist ein System, welches tief in physischen Prozessen und menschlicher Arbeit verwurzelt ist.
Der Begriff „Künstliche Intelligenz" suggeriert hierbei eine „rein technische" und „nicht natürliche" Technologie und verbirgt die zugrundeliegende menschliche Arbeit und die natürlichen Rohstoffe.
Die Illusion der Autonomie: Die Vorstellung, dass Wissen und Intelligenz vollständig an eine Maschine ausgelagert werden können, wird als streitbar kritisiert, da der Mensch in jeder Phase der Entwicklung präsent bleibt.
Der „Körper" der KI beginnt in den Minen des Globalen Südens, wo Rohstoffe wie Lithium oder Coltan abgebaut werden. Diese harte körperliche Arbeit bildet die materielle Basis für die Hardware, die wir im Globalen Norden nutzen.
Damit KI-Systeme „intelligent" wirken, müssen riesige Datenmengen von Menschen vorsortiert und markiert werden (Data Labeling). Diese Arbeit wird oft in Niedriglohnländer ausgelagert und als „kognitive Sweatshops" bezeichnet.
Während der Globale Süden die ökologischen und sozialen Kosten trägt, liegen die Vorteile primär im Globalen Norden. Die großen Gewinner des KI-Booms sind Tech-Giganten in den USA und China sowie in geringerem Maße Europa.
Auch das Design von KI (Stimmen, Aussehen von Robotern) spiegelt oft westliche Ideale wider. „Whiteness" wird als Norm gesetzt, was dazu führt, dass Menschen im Globalen Süden oder People of Color durch Biases in den Systemen häufiger diskriminiert werden (z. B. bei der Gesichtserkennung).
Mögliche Lösungsansätze
Große Teile der KI-Industrie sind in ihrer derzeitigen Form weder wünschenswert noch akzeptabel.
Nach Anne Burkhardt
Regulierung von Big Tech, Boykott bestimmter Technologien, Aufklärung, die ein Bewusstsein für die Problematik schafft.
Marginalisierte Perspektiven und Wissensbestände gezielt „annehmen" und von ihnen lernen. Stärkung von Organisationen wie Black in AI oder LatinX in AI, um die Sichtbarkeit und Teilhabe unterrepräsentierter Gruppen in der Forschung zu erhöhen.
Grassroots-Bewegungen: Netzwerke wie Tierra Común oder das feministische Kollektiv Coding Rights arbeiten aktiv an der Aufdeckung von Diskriminierung und der Kreation gerechterer technologischer Visionen.
Burkhardt, A. Centering the South(s): Dekoloniale Perspektiven auf Künstliche Intelligenz.